Bauwerk

Mit seinen 217 Metern ist der Stuttgarter Fernsehturm der Erste der Welt und somit das Urmodell für viele andere Fernsehtürme. Der Pionier gilt als ästhetisches und architektonisches Meisterwerk und ist bis heute in seinem zeitlosen Design unerreicht. Der Stuttgarter Turm löste eine globale Turmbauwelle aus. Inzwischen gibt es Hunderte von Fernsehtürmen in aller Welt, wobei der Stuttgarter mit seinen harmonischen Proportionen bisher einmalig geblieben ist.

Fundament

Während bei den großen Schornsteinen in den 50er Jahren schwere Massivplatten das Fundament bildeten, entwickelte Fritz Leonhardt für den Fernsehturm erstmalig ein Ringfundament mit einer Kernweite von 27 Metern. Diese Kernweite bewirkt, dass die Schwankungen viel geringer ausfallen. Um das Ringfundament mit der Belastung von 4500 Tonnen nicht zu sprengen, wählte man ein radiales Drahtbündel aus festem Stahl. Wie die Speichen bei einem Fahrrad, setzen die Spannglieder das Ringfundament unter Spannung und festigen es. Mit einer dünnen Betonplatte werden die Spanndrahtstähle gegen Korrosion durch das Grundwasser geschützt.

Zwei Kegelschalen sorgen für Stabilität  

Als Übergangselement vom Fundament zum Schaft dient eine Kegelstumpfschale, die die Lasten und Windkräfte auf den Ring überträgt. Schräg dagegen und gewissermaßen auf dem Kopf steht im Innern des Fundaments eine zweite Kegelschale. Diese Schale setzt am oberen Rand der äußeren an und ihre Spitze ist in die Bodenscheibe im Zentrum eingelassen. Somit entstand ein räumliches, sehr stabiles Fachwerk.

Fritz Leonhardt wollte das breite Fundament unter der Erde verschwinden lassen. Die Leichtigkeit des Bauwerks sollte nicht durch eine massive Basis zerstört werden. Dies war später bei den Türmen in Ostberlin oder Moskau der Fall.

Der Konstrukteur Fritz Leonhardt plante viele Sicherheitsvorkehrungen ein. Er sagte später: "Den Stuttgarter Turm haben wir mit übertrieben großer Sicherheit bemessen, weil Neuland beschritten wurde."

Turmschaft

Der Turmschaft ist ein Stahlbetonrohr, das im Fundamentkörper eingespannt ist. Am Fuß des Turms beträgt der Außendurchmesser 10,80 Meter und verjüngt sich bis zum Korbansatz auf 5,04 Meter. Auch an der engsten Stelle muss ausreichend Platz für die beiden Aufzüge, die Nottreppe und die Leitungsführungen vorhanden sein.

Die Natur als Vorbild 

Entscheidend für das leichte und harmonische Erscheinungsbild ist der parabelartige Verlauf des Schafts. Die Verjüngung nach oben ist also nicht mit dem Lineal gezogen, sondern weicht mit einem kaum wahrnehmbaren konkaven Schwung von der Geraden ab. Auch Bäume wachsen nicht schnurgerade. In einem anderen Detail taucht ebenfalls ein Naturvorbild auf: Die relativ dünnen Wände der Betonröhre sind im Innern alle zehn Meter mit einem Querrahmen versteift. Nach diesem Prinzip wachsen auch Bambusrohre hoch hinaus.

Schwankungen des Turms

Durch Winddruck, Sonneneinstrahlung und Abkühlung kann der Turmschaft in Schwingungen geraten. Für eine Grundschwingung benötigt er etwa 5 bis 6 Sekunden. Der größte Ausschlag aus der Achse bei schweren Stürmen beträgt beim Schaft allerdings höchstens 30 Zentimeter. Das Ende des Antennenmasts schwankt jedoch schon 1,50 Meter. Umfallen wird der Turm jedoch nicht.

Form des Korbs

Die Grundform des Korbs war vorgegeben: Eine Kreiszylinderform erzeugt nämlich den niedrigsten Windwiderstand. Um Strömungsverhältnisse zu verbessern, wurden die Kanten oben wie unten kräftig abgerundet. Die Abschrägung hat noch zwei Vorteile: Sie erspart den Besuchern unangenehme Windgeräusche und verhindert, dass sie auf der Aussichtsplattform in die Tiefe schauen.

Um diese Konstruktion trotz ihres Gewichts leicht wirken zu lassen, wurde die Außenhaut mit glattem Aluminiumblech ummantelt. Mit dieser Fassade ist der Fernsehturm so windschlüpfrig wie ein Flugzeug. Selbst Stürme können ihm nichts anhaben. Ein Orkan mit 170 Kilometer pro Stunde erzeugt auf den Turm einen Winddruck von 172 Tonnen. Im Vergleich mit dem Gesamtgewicht des Turmes von 4.500 Tonnen und der Erdlast von 3000 Tonnen auf dem Fundament sind 172 Tonnen so gering, dass keine Gefahr besteht.

Unterste Etage: Technikgeschoss

Der Korb des Turms besteht aus vier Etagen. Die unterste Etage auf 138 Metern Höhe ist der Technik vorbehalten. Hier war bis 1974 der Fernsehsender eingebaut. Die dritte Fernsehsendergeneration wurde danach ins Betriebsgebäude am Fuß des Turmes verlegt. Neue Hochfrequenzkabel mit geringer Dämpfung, die die lange Strecke bis zur Antenne überbrücken konnten, erlaubten die Verlagerung. Heute sind im ehemaligen Technikgeschoss die Haustechnik, verschiedene Richtfunkstrecken, Anlagen für Mobiltelefone und Sendeanlagen der Polizei untergebracht.

Obere Etagen: Gasträume

Die beiden obersten Korbgeschosse wurden von Anfang an als Gasträume eingeplant, weil sich der Betrieb eines Turmrestaurants nur ab einer bestimmten Größe lohnt. Im Geschoss darunter war die Küche. Nach der Renovierung der Außenhaut des Turms im Jahr 2005 blieb die Küche im Rohbauzustand und im ehemaligen Restaurantteil entstand eine Ebene für Veranstaltungen aller Art. Im obersten Geschoss wird heute ein Café und Bar betrieben.

Aussichtsplattform

In 150 Metern Höhe schließt sich eine zweigeschossige Aussichtsplattform an. Das zweite Geschoss wurde extra für Kinder gebaut, weil sie durch die 1,30 Meter hohe Brüstung die Aussicht sonst nicht genießen könnten.

Sendemast

Der Sendemast des Fernsehturms Stuttgart ist ein genieteter, quadratischer Gittermast aus Winkelprofilen. Das 32 Meter hohe untere UKW-Teil ist 1,90 Meter breit, während das 19 Meter hohe obere Teil nur noch 1,29 Meter breit ist. Der Mast wiegt 48 Tonnen.

Der Antennenmast ist nach den internationalen Richtlinien hellrot und weiß gestrichen. Damit zeichnet er sich gegen die dunkle Erde und den hellen Himmel deutlich ab und wird vom Flugzeug aus gesehen. Zusätzlich ist der Antennenmast mit roten Hindernisfeuern bestückt.

Obwohl mit dem Turmbau ab 1955 ein guter Fernsehempfang im Großraum Stuttgart gewährleistet war, kam es trotzdem immer wieder zu Klagen über gestörte Bilder aus abgeschatteten Teilen des Stadtgebiets.1965 ließ daher der Süddeutsche Rundfunk den Stahlgittermast um 3,8 Meter erhöhen. Seither ist der Turm 217 Meter hoch.