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Bau & Konstruktion

„Der Erste seiner Art“

Der 1956 in Betrieb genommene Stuttgarter Fernsehturm ist „der Erste der Welt“ und das Urmodell für viele andere Fernsehtürme weltweit. Der Pionier gilt als ästhetisches und architektonisches Meisterwerk und ist bis heute in seinem zeitlosen Design unerreicht. Seine Bauweise wurde zum Vorbild einer ganzen Generation von Fernsehtürmen, die heute unsere Stadtbilder prägen.

Der Turm im Wandel der Zeit

Der Baumeister Fritz Leonhardt war ein renommierter Ingenieur, der vor allem für seine Brückenbauten bekannt war. Einen Turm zu bauen, war in vielerlei Hinsicht eine Herausforderung: Hält der schlanke Turm allen denkbaren Belastungen stand? Das Fundament musste die 3000 Tonnen Gewicht des Schafts halten. Der Aufzug mit seinem Gegengewicht durfte das Fundament bei einem möglichen Absturz auf keinen Fall zerstören. Orkane oder ein Erdbeben dürften dem Gebäude nichts anhaben. Windgeräusche und Windlasten galt es ebenso zu beachten wie der Schutz gegen Gewitter und Blitzeinschlag. Auch die Eigenschwingung des Turmes musste so gering wie möglich gehalten werden. Bei allen Überlegungen spielte die Ästhetik immer eine wichtige Rolle. Nicht zu vergessen, dass der Turm in erster Linie als Zweckbau dienen musste und viele ungeduldig auf einen besseren Fernsehempfang warteten. 

Bei der Sicherheit des Turmes gab sich Leonhardt besondere Mühe. Er und seine Mitarbeiter haben die Windkräfte, die in baurechtlichen Vorschriften angegeben waren, annähernd verdoppelt und für eine 2,5-fache Sicherheit gesorgt. Der Turm würde einen Sturm, der viermal so stark bläst als jemals im Land beobachtet, schadlos überstehen. Abbrechen oder umkippen würde er erst bei der 5- bis 6-fachen derartigen Windlast. 

Zur Berechnung standen den Ingenieuren damals weder Taschenrechner noch Computer zur Verfügung, sondern lediglich Rechenschieber. Gummibänder wurden genutzt, um sich Zug- und Tragkräfte vorzustellen.

Vom Wagnis zum Wahrzeichen

Der Turm war trotz aller Sicherheitsvorkehrungen ein Wagnis. Auch wenn Leonhardt Spannbeton vom Brücken- und Wohnungsbau her kannte, fehlte die Erfahrung beim Turmbau. Ebenfalls keine Erfahrung in Europa gab es mit der Fassadenverkleidung aus Aluminium. Unklar war zudem, wie sich Wind und Wetter auf die Bauarbeiten auswirken werden.

Dass der Fernsehturm in dieser Zeit mit den vielen Unbekannten trotzdem gebaut wurde, ist einer Verkettung mutiger Entscheidungen zu verdanken. Leonhardt, der Initiator, begeisterte andere für seine Ideen. Die damaligen Geschäftsführer des Süddeutschen Rundfunks standen trotz steigender Kosten stets hinter dem Projekt. Mit Erwin Heinle wurde ein versierter Architekt gewonnen. Der Oberbauleiter Heinle fand für alle Unwägbarkeiten während des Baus eine Lösung. Außerdem war er für den Innenausbau und die Gebäude am Fuß des Turms zuständig. 

Mitte der 50er Jahre war Stuttgart noch von Kriegsschäden gezeichnet und mitten im Bauboom begriffen. Viele andere Bauwerke entstanden zur selben Zeit. 1956 wurde nicht nur der Fernsehturm eingeweiht, auch das neue Rathaus, die Liederhalle und die Obertürkheimer Brücke wurden in diesem Jahr fertiggestellt.

Fundament

Während in den 50er Jahren bei großen Schornsteinen schwere Massivplatten das Fundament bildeten, entwickelte Fritz Leonhardt für den Fernsehturm erstmalig ein Ringfundament mit einer Kernweite von 27 Metern. Diese Kernweite bewirkt, dass die Schwankungen viel geringer ausfallen. Um das Ringfundament mit der Belastung von 4500 Tonnen nicht zu sprengen, wählte man ein radiales Drahtbündel aus festem Stahl. Wie die Speichen bei einem Fahrrad, setzen die Spannglieder das Ringfundament unter Spannung und festigen es. Mit einer dünnen Betonplatte werden die Spanndrahtstähle gegen Korrosion durch das Grundwasser geschützt.

Zwei Kegelschalen sorgen für Stabilität

Als Übergangselement vom Fundament zum Schaft dient eine Kegelstumpfschale, die die Lasten und Windkräfte auf den Ring überträgt. Schräg dagegen und gewissermaßen „auf dem Kopf“ steht im Innern des Fundaments eine zweite Kegelschale. Diese Schale setzt am oberen Rand der äußeren an und ihre Spitze ist in die Bodenscheibe im Zentrum eingelassen. Somit entstand ein räumliches, sehr stabiles Fachwerk.

Fritz Leonhardt wollte das breite Fundament unter der Erde verschwinden lassen. Die Leichtigkeit des Bauwerks sollte nicht durch eine massive Basis zerstört werden. Dies war später bei den Türmen, etwa in Ostberlin oder Moskau, der Fall.

Der Konstrukteur Fritz Leonhardt plante viele Sicherheitsvorkehrungen ein. Er sagte später: „Den Stuttgarter Turm haben wir mit übertrieben großer Sicherheit bemessen, weil Neuland beschritten wurde.“

Turmschaft

Der Turmschaft ist ein Stahlbetonrohr, das im Fundamentkörper eingespannt ist. Am Fuß des Turms beträgt der Außendurchmesser 10,80 Meter und verjüngt sich bis zum Korbansatz auf 5,04 Meter. Auch an der engsten Stelle muss ausreichend Platz für die beiden Aufzüge, die Nottreppe und die Leitungsführungen vorhanden sein.

Die Natur als Vorbild

Entscheidend für das leichte und harmonische Erscheinungsbild ist der parabelartige Verlauf des Schafts. Die Verjüngung nach oben ist also nicht mit dem Lineal gezogen, sondern weicht mit einem kaum wahrnehmbaren konkaven Schwung von der Geraden ab. Auch Bäume wachsen nicht schnurgerade. In einem anderen Detail taucht ebenfalls ein Naturvorbild auf. Die verhältnismäßig dünnen Wände der Betonröhre sind im Inneren alle zehn Meter mit einem Querrahmen versteift. Nach diesem Prinzip wachsen auch Bambusrohre hoch hinaus.

Schwankungen

Durch Winddruck, Sonneneinstrahlung und Abkühlung kann der Turmschaft in Schwingungen geraten. Beim Schacht kann bei schweren Stürmen der größte Ausschlag aus der Achse bis zu 30 Zentimeter betragen. Das Ende des Antennenmasts schwankt jedoch schon 1,50 Meter. Umfallen wird der Turm dadurch jedoch sicher nicht.

Turmkorb

Die Grundform des Korbs war gesetzt: Eine Kreiszylinderform erzeugt nämlich den niedrigsten Windwiderstand. Um Strömungsverhältnisse zu verbessern, wurden die Kanten oben wie unten kräftig abgerundet. Die Abschrägung hat zwei weitere Vorteile: Sie erspart den Besuchern unangenehme Windgeräusche und verhindert, dass sie auf der Aussichtsplattform in die Tiefe schauen.

Um diese Konstruktion trotz ihres Gewichts leicht wirken zu lassen, wurde die Außenhaut mit glattem Aluminiumblech ummantelt. Mit dieser Fassade ist der SWR Fernsehturm so windschlüpfrig wie ein Flugzeug. Selbst Stürme können ihm nichts anhaben. Ein Orkan mit 170 Kilometer pro Stunde erzeugt auf den Turm einen Winddruck von 172 Tonnen. Im Vergleich mit dem Gesamtgewicht des Turmes von 4.500 Tonnen und der Erdlast von 3000 Tonnen auf dem Fundament sind 172 Tonnen so gering, dass keine Gefahr besteht.

Unterste Etage: Technikgeschoss

Der Korb des Turms besteht aus vier Etagen. Die unterste Etage auf 138 Metern Höhe ist der Technik vorbehalten. Hier wurde bis 1974 der Fernsehsender betrieben. Die dritte Fernsehsendergeneration wurde danach ins Betriebsgebäude am Fuß des Turmes verlegt. Neue Hochfrequenzkabel mit geringer Dämpfung, die die lange Strecke bis zur Antenne überbrücken konnten, erlaubten die Verlagerung. Heute sind im ehemaligen Technikgeschoss die Haustechnik, verschiedene Richtfunkstrecken, Anlagen für Mobiltelefone und Sendeanlagen der Polizei untergebracht.

Obere Etagen: Gasträume

Die beiden obersten Korbgeschosse wurden von Anfang an als Gasträume eingeplant, weil sich der Betrieb eines Turmrestaurants nur ab einer bestimmten Größe lohnt. Im Geschoss darunter war die Küche. Nach der Renovierung der Außenhaut des Turms im Jahr 2005 blieb die Küche im Rohbauzustand und im ehemaligen Restaurantteil entstand eine Ebene für Veranstaltungen aller Art. Im obersten Geschoss wird heute das Panoramacafé betrieben.

Aussichtsplattformen

In 150 Metern Höhe schließt sich eine zweigeschossige Aussichtsplattform an. Das zweite Geschoss wurde extra für Kinder gebaut, weil sie durch die 1,20 Meter hohe Brüstung der unteren Plattform die Aussicht sonst nicht genießen könnten.
 

Baumeister des Stuttgarter Fernsehturms

Fritz Leonhardt ist der Schöpfer, Gestalter und Konstrukteur des Stuttgarter Fernsehturms, man könnte auch sagen „der Baumeister“, obwohl er von seiner Berufsbezeichnung her Bauingenieur war. Leonhardt wollte nie nur technische, sondern immer auch ästhetische Bauwerke schaffen. Über den Fernsehturm sagte er selbst: „Mit diesem Bauwerk ist es wohl gelungen, einmal wieder zu zeigen, dass man technisch Notwendiges gleichzeitig auch schön gestalten kann, sodass es den Menschen zur Freude wird und ihnen auch unmittelbar dient.“

Herausragende Pionierleistung

Als 44-Jähriger, in der Mitte seines Lebens, schuf der Stuttgarter Bauingenieur einen Turm mit einem Baustoff, der bisher für Brücken, aber nicht für Türme genutzt wurde, nämlich Spannbeton. Aber nicht nur das neue Material war eine Herausforderung, andere Ansprüche kamen dazu: Leonhardt wollte einen formschön gestalteten Turm, der mit Gastronomie und einer Aussichtsplattform öffentlich zugänglich sein soll.

„Auch der Bauingenieur muss seinen Beruf als Planer, Entwerfender und Gestalter sehen und die Bauwerke als Ganzes betrachten. Auch er muss mindestens Sinn und Verständnis für schönheitliche Gestaltung haben, denn seine Bauwerke sind auch Teil der gebauten Umwelt.“

Fritz Leonhardt

Heute ist es unumstritten

Der Stuttgarter Fernsehturm ist eine herausragende Pionierleistung Leonhardts. Jörg Schlaich, weltweit anerkannter Bauingenieur und emeritierter Professor an der Universität Stuttgart schrieb: „So gab es zwar bei den späteren Türmen manche Detailverbesserung, aber etwas wirklich Neues kam nicht hinzu. Der Stuttgarter Fernsehturm bleibt das unübertroffene Vorbild.“

Leonhardt schrieb in einem Artikel in der Stuttgarter Zeitung zur Eröffnung: „Am Tage der Einweihung habe ich den Wunsch, dass dieses Bauwerk meinen Landsleuten immer mehr gefallen möge, dass möglichst viele aus nah und fern den prachtvollen Ausblick auf unser schwäbisches Heimatland von dort oben genießen mögen, und dass die Stuttgarter dann langsam stolz werden auf ihren Fernsehturm.“

Mit dem Stuttgarter Fernsehturm wurden bautechnisch und architektonisch neue Wege eingeschlagen. Fritz Leonhardt gelang es dem 15 Meter breiten Turmkopf die Schwere zu nehmen und ihn gleichsam schweben zu lassen. Diese gestalterische Leistung ist bei Ingenieurbauwerken nicht selbstverständlich. Sie hat den Stuttgarter Fernsehturm zu einem unvergleichlichen Wahrzeichen der schwäbischen Metropole und darüber hinaus zum Wahrzeichen der internationalen Ingenieurbaukunst werden lassen, zeitlos in seiner Gestaltung und frei von allen architektonischen Modeströmungen.

Fritz Leonhardt – wichtigste Lebensdaten

gestorben in Stuttgart

Rektor der Universität Stuttgart

Professor für Massivbau an der Universität Stuttgart

Freiberuflicher Ingenieur in München, Köln und Stuttgart

Brückenbau­ingenieur bei der deutschen Reichsautobahn

Studium an der Purdue University in Lafayette (USA)

Bauingenieur-Studium an der technischen Hochschule Stuttgart

Abitur am Dillmann-Gymnasium in Stuttgart

Geboren in Stuttgart

Sendemast

Der Sendemast des SWR Fernsehturms Stuttgart ist ein genieteter, quadratischer Gittermast aus Winkelprofilen. Das 32 Meter hohe untere UKW-Teil ist 1,90 Meter breit, während das 19 Meter hohe obere Teil nur noch 1,29 Meter breit ist. Der Mast wiegt 48 Tonnen.

Der Antennenmast ist nach den internationalen Richtlinien hellrot und weiß gestrichen. Damit zeichnet er sich gegen die dunkle Erde und den hellen Himmel deutlich ab und ist für Flugzeuge gut erkennbar. Zusätzlich ist der Antennenmast mit roten Gefahrenfeuern bestückt.

Obwohl mit dem Turmbau ab 1955 ein guter Fernsehempfang im Großraum Stuttgart gewährleistet war, kam es aus den abgeschatteten Teilen des Stadtgebiets immer wieder zu Klagen über Bildstörungen. 1965 ließ der Süddeutsche Rundfunk daher den Stahlgittermast um 6 Meter erhöhen. Seitdem ist der Turm 217 Meter hoch.

Modernisierungen und Sanierungen

Von 1979 bis 1983 wurden die Aufzugsanlage, die Energieversorgung, die Klimaanlage und die Kücheneinrichtung modernisiert.

Eine umfangreiche Sanierung dauerte von April bis November 2005. Die Außenhaut des Turmkorbs musste nach 50 Jahren dringend erneuert werden. Zum ersten Mal wurde dafür der Turm für mehrere Monate geschlossen.

Auch viele technische Erneuerungen wurden in den Fernsehturm eingebaut. Sie verbesserten vor allem das Sicherheitssystem des Turms. Dazu gehört beispielsweise die Rauchsauganlage von 2005. Mehrmals erneuert wurden auch die Lüftungs-, Heizungs- und Sprinkleranlagen.

Im Herbst 2025 begann eine umfassende, denkmalgerechte Instandsetzung und Neu-Beschichtung des Stahlbetons, um Risse im Schaft zu beheben. Die Denkmalstiftung Baden-Württemberg unterstützte die Sanierung dieses einzigartigen Kulturdenkmals mit der Fördersumme von 500.000 Euro. Der SWR Fernsehturm ist ständigen Schwingungen und Bewegungen ausgesetzt und unterliegt, nicht zuletzt aufgrund seiner Höhe und exponierten Lage, starken Umwelteinflüssen. Der anlagentechnische und bauliche Zustand wird im Rahmen von Monitorings kontinuierlich überwacht. Zur Beurteilung der mit den Jahren entstandenen Rissbildungen und der Beschichtung der Außenfläche wurde das Ingenieurbüro Leonhardt, Andrä und Partner (LAP) hinzugezogen und mit umfangreichen Voruntersuchungen beauftragt. Der Wahl der Beschichtungssysteme ging ein langer Untersuchungsprozess mit der MPA Universität Stuttgart voraus. Farbe, Erscheinungsbild und der Umgang mit der Sichtbarmachung der Rissnarben wurde im Planungsprozess eng mit dem Denkmalamt abgestimmt. Besonders herausfordernd ist die große Höhe, in der die Bauarbeiten stattfinden. Es muss von Arbeitsbühnen und Hängegerüsten gearbeitet werden, und Industriekletterer werden zum Einsatz kommen. Zudem muss das Baumaterial für diese Höhe genauestens disponiert werden. Die Bauarbeiten sollen im Laufe des Jubiläumsjahres 2026 abgeschlossen sein. Während der Dauer der Arbeiten bleibt der Turm für die Öffentlichkeit zugänglich.
 

Fernsehen und Radio

Der SWR Fernsehturm sendet seit Mai 1956 Radio-Programme. Die UKW-Sendeantenne wurde erstmals 1981 und wegen eines Schadens im Jahr 2000 erneuert. 1988 begann die Entwicklung des digitalen Rundfunks (Digital Audio Broadcasting DAB). Zur besseren Versorgung wurde im Jahr 2000 ein leistungsfähige DAB-Antenne am Mast montiert.

Die Fernsehantennen sind aktuell stillgelegt. Sie sind für den Frequenzbereich des terrestrischen Fernsehens (DVB-T-Standard) nicht mehr geeignet. Der Stahlgittermast hätte umfangreich umgebaut werden müssen. Seit Juli 2006 wird daher das erste Fernsehprogramm der ARD nicht mehr über den SWR Fernsehturm, sondern über den benachbarten Fernmeldeturm ausgestrahlt.