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Entstehung & Entwicklung

Die Geburtsstunde des Fernsehturms

Als der damalige Süddeutsche Rundfunk 1953 begann, einen neuen Fernseh-Sendeturm für Stuttgart und seine dicht besiedelte Umgebung zu planen, war wohl niemandem bewusst, dass damit eine Revolution im weltweiten Turmbau ausgelöst werden würde. 

1953 fehlte in Stuttgart ein Fernsehsender. Nur in den Höhenlagen oder mithilfe von Spezialantennen war ein mittelmäßiger Empfang möglich. Als die Krönung der englischen Königin Elisabeth II. im Juni 1953 im Fernsehen ausgestrahlt wurde, hatten die Stuttgarter*innen keine Freude an der Sendung. Weitere unzufriedene Kundinnen und Kunden waren zu befürchten, wenn ein Jahr später die Fußballweltmeisterschaft in der Schweiz beginnen würde. Auch der Fachhandel beklagte sich, weil sich die Fernsehgeräte ohne Sender nicht verkaufen ließen. Die Geräte waren inzwischen billiger geworden und das Interesse stieg.

Ein Turm nicht nur für Technik

Ursprünglich plante der Süddeutsche Rundfunk für seine Antennen den Bau eines 200 Meter hohen, mit Drahtseilen gesicherten Stahlgittermasts, der bis zum Spätsommer 1954 fertiggestellt werden sollte. 

Der Regierungsbaumeister und beratende Bauingenieur für Brücken- und Hochbau Professor Fritz Leonhardt erfuhr zufällig von den Plänen. Seiner Meinung nach würde ein Gittermast die Stuttgarter Höhenlage verschandeln. Er begeisterte Helmut Rupp, technischer Direktor des SDR, den Intendanten Fritz Eberhard und den Verwaltungsdirektor Friedrich Müller von seiner Idee, statt einem reinen Zweckbau, einen Aussichtsturm mit Gastronomie zu bauen.

 Neu an seiner Idee war nicht nur die Konstruktion, sondern der Vorschlag, den Bau auch touristisch und gastronomisch zu nutzen. So entstand ein ästhetischer Turm mit einem fast kreiszylindrischen Korb, der Aussichtsplattform, Gaststätte und Sendertechnik einschloss. 

Der Hohe Bopser mit 283 Metern über dem Stuttgarter Talkessel erwies sich als günstiger Standort für einen Fernsehsender. Damit konnte die Rundfunkanstalt einen Sendeempfang in allen Tälern des Landes garantieren.

Viele Herausforderungen

Das zunächst umstrittene Projekt nahm seinen Lauf. Teile des Stuttgarter Gemeinderats befürchteten ein finanzielles Desaster. Nach monatelangen Verhandlungen mit der Stadt beschloss der Verwaltungsrat des SDR im Mai 1954, den Fernsehturm aus eigenen Mitteln zu finanzieren und sofort mit dem Bau zu beginnen. Am 10. Juni 1954 rollten die Planierraupen an. Nach den Plänen von Leonhardt wurde der Turm in nur 20 Monaten gebaut. Die künstlerische und technische Leitung übernahm der Architekt Erwin Heinle. 

Stuttgarter Bürger protestierten, als der Turm über die Baumgipfel ragte und aus allen Himmelsrichtungen sichtbar wurde. In Leserbriefen wurde er Schildbürgerstreich, Schandmal oder Fremdkörper in der schönen Waldlandschaft genannt. 

Nach einer Bauzeit von 20 Monaten wurde der Stuttgarter Fernsehturm am 5. Februar 1956 eingeweiht. Er wurde zu einem Prototyp, den man auf der ganzen Welt nachbaute und weiterentwickelte – von Frankfurt über Dortmund bis Johannesburg und Wuhan in China. 

Die Baukosten von 4,2 Millionen Mark amortisierten sich bereits nach fünf Jahren durch die Eintrittsgelder.

Wahrzeichen Stuttgarts

Heute gehört der SWR Fernsehturm zu den Wahrzeichen von Stuttgart. Von keinem anderen Punkt Stuttgarts aus ist der Blick auf die Stadt, über die Weinberglandschaft des Neckartales, über das schwäbische Land hinüber zur Alb, zum Schwarzwald und zum Odenwald so beeindruckend wie vom SWR Fernsehturm.

Chronik

JUBELJAHR

Der SWR Fernsehturm feiert 70-jähriges Jubiläum.

SANIERUNG

Der Stahlbeton des Schafts wird denkmalgerecht instandgesetzt und erhält eine Neu-Beschichtung, großzügig unterstützt durch die Denkmalstiftung Baden-Württemberg.

TAG DES OFFENEN DENKMALS

Der Turm gehört erstmalig zu den Veranstaltenden bei Deutschlands größtem Kulturevent für die Denkmalpflege.

UEFA EURO

Die Schweizer Fußball-Nationalmannschaft bezieht auf der Waldau ihr EM-Quartier und trainiert im benachbarten Stadion auf der Waldau. Der Fernsehturm ermöglicht, trotz guter Sicht auf den Platz, die notwendige Diskretion. Die Nati erreicht im Turnier das Viertelfinale.

AUF DEM WEG ZUM UNESCO-WELTERB

Als Vorschlag des Landes Baden-Württemberg wird der Turm auf die deutsche Vorschlagsliste für das UNESCO-Welterbe aufgenommen.

REBRANDING

Der „Fernsehturm Stuttgart” wird auf Initiative des SWR Intendanten Kai Gniffke in „SWR Fernsehturm Stuttgart” umbenannt. Die unmittelbare Beziehung vom Turm zum SWR und seinen Programmen ist nun deutlich erkennbarer.

SOKO STUTTGART ERMITTELT

Premiere der Folge „Tod im Turm“ aus der beliebten ZDF-Serie.

VIBRANCY MUSIC

Der Musikkünstler BONDI spielt ein exklusives DJ-Set auf der Plattform, das im YouTube-Stream live verfolgt werden kann.

RUND UM DIE UHR

Der Fernsehturm wird 60 Jahre und ist am Tag des Jubiläums zum ersten Mal in seiner Geschichte 24 Stunden geöffnet.

TURM IST WIEDER OFFEN

Nach fast drei Jahren öffnet der Fernsehturm wieder seine Türen und zeigt sich mit neuem Shop, neuem Eingangsbereich und nach wie vor mit wunderbarem Ausblick.

BRANDSCHUTZOPTIMIERUNG

Nachdem sich die Stadt Stuttgart und die SWR Media Services GmbH als Betreibergesellschaft des SWR Fernsehturms über die Finanzierung und Optimierung des Brandschutzes am Stuttgarter Fernsehturm einig sind beginnt die Phase der baulichen Umsetzung.

TURMSCHLIEßUNG

Erstmals seit 57 Jahren und nachdem 27 Millionen Besucher unfallfrei die Aussicht genießen konnten, bleibt der Turm nun aufgrund einer Verfügung der Stadt für öffentliche Besucher aus Brandschutzgründen geschlossen.

VON UNTEN BIS OBEN

Neueröffnung der Gastronomie (Café, Restaurant, Biergarten und Shop) nach einjährigem Umbau

RITTERSCHLAG

Zum 100. Geburtstag von Fritz Leonhardt verleiht die Bundesingenieurkammer dem Fernsehturm den Titel „Historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland“. Mit 53 Jahren ist der Turm das bisher jüngste Ingenieurbauwerk, dem dieser Titel verliehen wurde.

STECKER RAUS

Fernsehantennen werden stillgelegt.

HOCHKULTUR

Erste Theateraufführungen "Theater über den Wolken".

HAPPY „TURM-DAY“

Der Fernsehturm feiert seinen 50sten Geburtstag.

WEGEZEICHEN

Aufstellung der Stahlplastik "Wegezeichen 7" des berühmten Stuttgarter Bildhauers Prof. Dr. O. H. Hajek.

ERSTE SCHLIEßUNG

Die Außenverkleidung des Turmkorbs wird saniert und der Turm zum ersten Mal geschlossen. Aus Kostengründen bleibt das Restaurant- und das Küchengeschoss im Rohbauzustand.

WELTREKORDVERSUCH

Hochseilfahrt des Artisten Johann Traber auf 53 Metern Höhe des Fernsehturmschafts mit einem „Smart“-Automobil.

LIFT(ING)

Erneuerung der gesamten Aufzugsanlage und der Eingangshalle.

BASE-JUMPS

Zum ersten Mal finden legale Fallschirmsprünge mit dem Fallschirmweltmeister Klaus Renz und einer internationalen Truppe von BASE-Jumpern statt.

KULINARISCH

Gastronomie-Pachtvertrag mit Schumacher-Manager Willi Weber. Armin Karrer betreibt das Sternelokal „Webers Gourmet“.

LES INGENIEURS DU SIECLE

Bei der großen Ausstellung „Les Ingenieurs du Siecle“ im Pariser Centre Georges Pompidou ist Fritz Leonhardt mit dem Fernsehturm Stuttgart vertreten.

BAUKOSMETISCHE BEHANDLUNG

Der Turmschaft wird zum ersten Mal unter komplizierten und wetterabhängigen Bauarbeiten komplett saniert. Risse und Auswaschungen, die unter Witterungseinflüssen entstanden sind, machen eine baukosmetische Behandlung notwendig. Außerdem erhält der Sendemast einen neuen Farbanstrich.

WINDKUNSTINSTALLATION „INTER-INFO“

Der slowenische Künstler Branko Šmon befestigt im Rahmen der Internationalen Gartenausstellung Expo 93 an drei vom Boden zum Turmkorb gespannten Drahtseilen große, leuchtend rote Windsäcke, die sich abhängig von Windstärke und Richtung spielerisch bewegen und schon von weither erkennbar sind.

AKTION „LICHTZEICHEN“

Grünes und rotes Licht, das sich den Turm hinaufwindet, lässt den Turm fünf Nächte lang Mahnmal gegen die drohende Klimakatastrophe werden. Die Pforzheimer Umweltfirma "Ritter" gestaltete die Aktion in Zusammenarbeit mit der Pforzheimer Fachhochschule für Gestaltung.

KULTURDENKMAL

Der Turm wird als eines der charakteristischen Beispiele der Nachkriegsarchitektur zum Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung nach dem Denkmalschutzgesetz erklärt und in das Denkmalbuch der Stadt Stuttgart eingetragen.

DER ELEFANT

Eine neu konstruierte Gondel zur Reinigung der Fenster wird in Betrieb genommen.

ALLES SCHICK

Nach neunmonatiger Renovierung werden die Gasträume im Fernsehturm wieder eingeweiht.

UKW

Eine neue UKW-Antenne wird in Betrieb genommen.

TREFFPUNKT

Beginn der Fernseh-Reihe "Treffpunkt Fernsehturm" in Südwest 3

MITTAGSPAUSE

Das Restaurant am Fuß des Turmes wird renoviert.

... ZUM DRITTEN

Dritte Fernsehgeneration wurde im Turmfuß aufgebaut.

ALLES WIRD BUNTER

Einführung des Farbfernsehens, ein zweiter Sender wurde installiert und der alte erneuert.

WACHSTU(R)M

Die umgebaute Fernseh-Antennenanlage wird in Betrieb genommen. Der Turm wird 6 Meter höher und misst nun 217 Meter.

Besuch der Queen

Die britische Königin Elisabeth II. und ihr Gemahl Prinz Philip besuchen den Fernsehturm und tragen sich in das Goldene Buch der Stadt ein. Der SDR überträgt dieses von 500.000 Schaulustigen begleitete Ereignis live.

WEGWEISEND

Auf der Aussichtsplattform wird ein Orientierungsring angebracht. Das Panorama, das sich von der Plattform aus bietet, ist nun beschildert.

PAUL-BONATZ-ARCHITEKTURPREIS

Die Stadt Stuttgart vergibt den Paul-Bonatz-Architekturpreis. In der Gruppe der Ingenieurbauten wird der Preis dem Fernsehturm zugesprochen

SAFETY FIRST

Anbringung des Schutzgitters auf der Plattform

RADIO AKTIV

Die UKW-Sender für die Ausstrahlung der Hörfunkprogramme werden in Betrieb genommen.

EINWEIHUNG

Einweihung des Stuttgarter Fernsehturms.

INBETRIEBNAHME

Am 29. Oktober 1955, also noch vor der Einweihung des Turms, nimmt der SDR den Fernsehsender in Betrieb. Der Sendeempfang im Großraum Stuttgart ist nun gesichert.

BAUBEGINN

Südfunk Intendant Dr. Fritz Eberhard führt den ersten Spatenstich durch.

START DES DEUTSCHEN FERNSEHBETRIEBS

Am ersten Weihnachtstag, dem 25. Dezember 1952 wird der offizielle Fernsehbetrieb nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgenommen, am darauffolgenden Tag erstmals auch die Tagesschau gesendet. Die Geburtsstunde des deutschen Fernsehens erleben aber nur wenige Zuschauer. Bis dahin wurden erst rund 4.000 Geräte für 1.150 DM verkauft. Das Gerät war nur für wenige erschwinglich.